Erläuterungen zur aktuellen Diskussion um das Heilbrünnl

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Eine Lektion, die mir mein Pfarrer in Furth mitgegeben hat: In der Gemeinde schreibt man keinen Brief, sondern man redet miteinander. Ich meine, dass er sich selber nicht immer daran gehalten hat, das ändert aber an der Richtigkeit des Gedankens nichts!

Warum schreibe ich dann? Weil sich andere dafür entschieden haben zu schreiben und nicht zu reden. Und: sie haben nicht mir geschrieben, sondern sind an die Öffentlichkeit gegangen. Darum ist auch die Öffentlichkeit mein Gegenüber – und da muss halt dann auch ich schreiben.

Allerdings möchte ich nicht ein „Zeitungs-Gefecht“ führen. Ich finde das – nicht in der Sache, aber in der Form - pardon: albern.

Mehrere Leserbriefschreiber/innen haben sich zum Vorhaben geäußert, einen Teil Wald am Heilbrünnlabhang roden zu lassen.

Dazu möchte ich Ihnen folgende Hintergrundinformation geben. Die Ursprungsidee habe ich bereits zu Beginn meines Hierseins verfolgt. Die Rodung wurde damals nach der Hälfte wegen eines Arbeitsunfalls unterbrochen und zunächst nicht wieder aufgenommen. Bereits im Jahr darauf wurde mir von Seiten der Forstbehörde der Vorschlag unterbreitet, in der Rodung Kirschbäume anzupflanzen, um den Neuwuchs und die Verbuschung einzudämmen. Der vorstellige Forstbeamte – ich hatte sogar schon einen Förderantrag bekommen und unterschrieben – hat allerdings kurz darauf den Dienst gewechselt. Trotz des entsprechenden Antrages geschah in der Folge daher zunächst nichts. Dazu dürfen Sie wissen, dass es mit der WBV einen Waldpflegevertrag gibt – ich mach das ja nicht selber – und sich WBV und Behörden absprechen, was notwendig ist und mir dann den entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Bei der Verleihung eines Preises an unsere Kirchenstiftung Obertrübenbach im Herbst 2018 hatte ich dann Gelegenheit, mit dem Behördenleiter zu sprechen. Im Frühjahr 2019 meldete mir die Behörde Vorschlag und OK zurück. Das war im März und damit schon nach der Baumfällsaison. Den Winter 2019/20 habe ich verstreichen lassen, nun aber ist das Ganze auch mit der Naturschutzbehörde besprochen und genehmigt worden. Auch der Vorschlag einer Streuobstwiese kam erneut und ich habe ihm gern zugestimmt. Darüber haben wir nun die Öffentlichkeit informiert.

Ich habe keinesfalls vor, mich hinter Behördenentscheidungen zu verstecken. Aber ich möchte damit sagen, dass das Ganze nicht nur meine fixe Idee ist und die Absprachen die Vorgehensweise einer Rodung mit anschließender Umwandlung absolut rechtfertigen.

Mitentscheidend für die Idee einer Veränderung der bisherigen Gegebenheiten sind aus meiner Sicht vier Dinge:

1.       Ist der Wald insgesamt zu sehr um das Heilbrünnl herumgewachsen. Ein Teil des Schadens an der Bausubstanz rührt von der Verschattung her, die es rund 250 Jahre lang nicht gegeben hatte. Der Eingriff ist vergleichsweise gering, denn wenn man sich die Mühe macht, das Brünnl etwa bei google-maps von oben zu betrachten, wird man sehen, das rund um es herum Wald ist, dieser Wald auch bleibt und es sich bei der Freilegung um ein Sechstel oder auch nur Achtel eines Kreissegmentes handelt. Die Anrufe bei mir ließen vermuten, man meint, der ganze Wald rundherum soll abgeholzt werden, der Hang gar bis Walderbach hinunter …

2.       Es ist keine „Postkarte“, die mich auf die Idee gebracht hat. Wer die Rodinger Schwarzfischer Chronik daheim hat, kann auf Seite 216 eine Fotografie aus dem Jahr 1886 sehen und auch das Bild von Ludwig Diess auf der Seite 174 präsentiert den Berg, wie er als Viehweide jahrhundertelang ausgesehen hat. Ich möchte keinem Bild entsprechen, sondern einen Zustand wieder herstellen. Ein Einwand lautet, dass zur Besserung der Verschattung eh der ganze Wald um das Brünnl abgeholzt werden müsste. Das möchte man (und auch ich) natürlich gar nicht und warum man denn dann den Abhang nicht auch gleich stehen lässt? Nun, ich bin kein Experte, erlebe aber aktuell, was „Stoßlüften“ heißt: nicht die Wände einreißen, sondern ein Fenster ganz aufmachen – und auch nicht mehrere bloß kippen. Ich hoffe, dass die Analogie auch der Klimaphysik eines Waldes standhält…

3.       Warum hat sich der Zustand verändert? Vermutlich, weil der Heilbrünnlberg nicht mehr als Weide genutzt wurde. Das passt auch in die Zeit. Allerdings wurde der Berg nicht in den Urzustand zurückgeführt. Das meine ich mit Kultur-Wald. Ich wurde übrigens in der Zeitung richtig zitiert: Der Gegensatz von Kulturwald ist der Naturwald und den findet man nicht – wie es mir in einem Leserbrief als „arrogant“ vorgeworfen wurde – im Bayerischen Wald, sondern im Nationalpark Bayerischer Wald. Wer schon einmal bewundert hat, wie sich die Natur mächtig umgestaltet, wenn man ihr Zeit und Gelegenheit lässt wird demütig. Das gelingt aber nicht auf einem halben Hektar mitten in einer Kulturlandschaft. Die Bäume würden den Kreuzweg einwuchern und wenn am Hang einer nach unten auf die Straße kippt, dann wär das halt so. Nun geschieht das nicht, eben weil der Wald dort menschengemacht oder wenigstens von Menschen in einem gewissen Maß zugelassen ist. Dieser Kulturwald unterlag und unterliegt also beständig menschengemachten Veränderungen. Das war so, als man ihn vor hundert Jahren anfliegen ließ, vielleicht auch, als man Unterholz gelichtet hat und das geschieht jetzt wieder, wenn man ihn abschneidet. Egal ob Waldbaum oder Obstbaum: wir reden hier immer von Jahrzehnten, jeder Waldbauer weiß das.

4.       Als der Kreuzweg angelegt wurde, gab es den Wald an dieser Stelle noch nicht. Lange Jahrzehnte hat er auch nicht gestört und es ist tatsächlich eine Idylle entstanden. Die Größe des Wurzelwerks, Herbstlaub und Verfeuchtung des Pflasters haben die beiden, Wald und Kreuzweg, aber im Laufe der Jahre zu nicht immer guten Verbündeten gemacht. Vom Sommerschatten ist schwärmend die Rede. Ich weiß das und genieße es selbst nicht minder. Aber: der Kreuzweg steht das ganze Jahr offen und da überwiegen die gefährlicheren Zeiten. Hier muss ich einem Leserbriefschreiber widersprechen, denn auch das hat sich geändert: Es geht nicht darum, Menschen diesen Weg nicht zuzutrauen. Noch vor 20 oder 30 Jahren war ein verstauchtes Bein oder eine gebrochene Hand etwas, was ein lädierter Spaziergänger einfach zum Arzt und vor seine Krankenkasse gebracht hat. Das funktioniert heute nicht mehr. Selbst ein Hinweis wie „Betreten auf eigene Gefahr“ oder „Kein Winterdienst“ hat heute vor den Gerichten so gut wie keinen Bestand mehr, wenn mangelnde Verkehrssicherheit nachgewiesen werden kann. Es genügt auch kein Sperrband oder eine Schranke. Zuletzt streiten sich die Versicherungen und Geschädigter oder Eigentümer bleiben auf den Kosten sitzen. Ich wünschte mit dem Leserbriefschreiber, es wäre anders. Ist es aber nicht.

 

Fr. Stadträtin Leitermann hat äußerst kundig und sachlich argumentiert. Ihr kann ich nur erwidern: Der Umbau ist kein Abbau, erst recht ist es kein Raubbau. Die rund 50 Bäume werden nicht an Ort und Stelle verbrannt, sondern verschiedenen Nutzungen zugeführt. Und egal ob man das Holz verbaut (was das gespeicherte CO2 längerfristig bindet) oder es verfeuert (was fossilen Brennstoff einspart) ist die Verwertung nachhaltig und junge Bäume binden an dieser Stelle auch wieder neu CO2. Ob die Anlage einer Streuobstwiese möglich ist, weiß ich nicht besser als sie. Da verlasse ich mich auf den Vorschlag der Behörde, die scheint es zumindest so zu sehen. Dass eine Streuobstwiese für eine vielfältigere Fauna und Flora steht, dürfte Konsens sein.

Ein weiterer Leserbrief beschreibt die Vertreibung von „Waldkauz, Grün-, Schwarz- und Buntspecht und vielen Kleinvögeln“. Diese können – wenn ich das so plastisch sagen darf – über den Kreuzweg hinwegfliegen und finden dort dieselbe Heimat vor, die sie (vermutlich) ohnehin schon nutzen. Der Baumbestand gehört bis zum Bach uns und er bleibt auch stehen. Von da weg haben die Vögel Wald in Hülle und Fülle – außer jemand anderer holzt den seinen ab, das kann man mir aber nicht zum Vorwurf machen. Links vom Kreuzweg sollen andere Pflanzen, Insekten und Vögel eine Heimat finden. Für die freut es mich.

Nein. Ich habe die Papstenzyklika „Laudato si“ nicht zur Gänze gelesen, aber ich habe versucht den Kerngedanken zu verinnerlichen. Der Papst brandmarkt die hemmungslose Ausbeutung der Natur vor allem für rein wirtschaftliche Zwecke. Den Schuh lasse ich mir bei diesem Projekt nicht anziehen!

Die Wallfahrtsgruppen werden auch weiterhin auf der Straße durch den Wald gehen und den vollen Schatten genießen. Wer den Kreuzweg hinaufgeht wird rechts die Kühle des Waldes und links den Blick in den Obstgarten oder ins Regental genießen.

Ja. das werde ich vielleicht nur noch im Ansatz hier erleben, wenn ich weiterziehe. Die einen werden mich verfluchen für das, was ich in meiner Amtszeit gemacht habe, die anderen werden mich schätzen. Am wenigsten hätte ich zu befürchten, wenn ich meine Zeit hier absitzen würde, aber ob ich damit – bei allen Fehlern, die ich auch mache – meiner Verantwortung gerecht würde?

Für meine Amtsführung kann man mich übrigens kritisieren. Der Ton manches Leserbriefes aber ist persönlich. Ich wünschte mir, dass man das besser auseinanderhalten würde.

Ein letztes: Sie können mich „einhegen“. Als Mitglied unserer Gemeinde steht es Ihnen frei, bei der nächsten Wahl zur Kirchenverwaltung aufstellen zu lassen. Werden sie gewählt, diskutieren sie mit, können das Gremium überzeugen und abstimmen. Hier habe ich eine von elf Stimmen und kann entsprechend überstimmt werden. Oder sie kandidieren für den Pfarrgemeinderat. Dieser berät den Pfarrer – und ich habe noch nie gegen das überwiegende Votum unseres Pfarrgemeinderates gehandelt.