Gottesdienste aktuell

Gottesdienste in Roding, Trasching (T), Obertrübenbach (O), Wetterfeld (W), Heilbrünnl (HB), Caritas-Altenheim (CA) und Krankenhaus (KH)   

 

Sa. 25.05.            Gedenktag Hl. Beda der Ehrwürdige, Hl. Gregor VII,
                        Hl. Maria Magdalena von Pazzi
10.00 Uhr            O   Trauung Schegerer – Niklas

12.30 Uhr            HB   Trauung Hierl - Zollner

16.00 Uhr            Kleinkinderwortgottesdienst

17.00 Uhr             bis 17.30 Uhr Beichtgelegenheit

17.30 Uhr            Wir beten den Rosenkranz

18.00 Uhr             Vorabendmesse

19.00Uhr            O  Vorabendmesse

 

So. 26.05.            6. Sonntag der Osterzeit__
8.00 Uhr             Pfarrgottesdienst

9.00 Uhr            T   Hl. Messe

10.00 Uhr             Hl. Messe

14.00 Uhr            T   Taufe

15.30 Uhr             HB   Kirchenführung Herr Fleck

18.00 Uhr             W   Hl. Messe

19.00 Uhr            T   Maiandacht der Vereine an der Marienkapelle

In eigener Sache

Inzwischen haben viele unseren Pfarrbrief abonniert. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Mail als unzustellbar oder "Error" zurückkommt, obwohl die Adresse nachweislich richtig war. Wir haben dann keine Möglichkeit, keinen funktionierenden Kontakt, um darauf aufmerksam zu machen - erst wenn nach einiger Zeit Beschwerde eintrifft, warum der Pfarrbrief nicht (mehr) kommt. Bitte leeren Sie regelmäßig Ihr e-Postfach oder schauen auch mal im SPAM Ordner nach, wenn der Pfarrbrief nicht zugestellt wurde. Danke!

Themenreihe "Unser Gottesdienst"

 

Als ich Kaplan in Furth war, hab ich mir irgendwann Gedanken darüber gemacht, wie mein „Stundenplan“ als Pfarrer einmal aussehen soll. Gottesdienste, Sitzungen, Schule, Gespräche, pastorale Besuche, Freizeit und ein Zeitpuffer. Ich müsste diesen Zettel wieder einmal suchen, aber ich hab schon vor meinem Amtsantritt in Roding gemerkt, dass diese Aufstellung illusorisch ist. Allenfalls interessant, wie man die unterschiedlichen Aufgaben gewichtet und verteilt hätte oder welche „Dienstbereiche“ in der Praxis oft hintan stehen.

Viele Menschen fragen sich ja, was ein Pfarrer denn außer Messen, Predigt-vorbereitung, Schule und – ab und zu – einer Beerdigung so tut. Ich kann sa-gen, dass meine Tage voll und abwechslungsreich sind. Vieles an meinem Dienst und vor allem Privatleben gibt ja schon immer Anlass zu großartigen Spekulationen. Meist erheitern sie mich, manchmal ärgern sie mich. Vor allem, wenn andere Menschen in diesen Tratsch einbezogen werden und darunter sogar leiden müssen, oder wenn sie meinen Dienst erschweren, weil man mir die Worte im Mund umdreht oder sie mir nicht abnimmt.

Ich kann Ihnen sagen: was viele am Pfarrer „spannend“ finden, ist reichlich banal – was dagegen für die meisten „gewöhnlich“ und langweilig scheint, ist für mich ungemein wichtig, ja spannend.

Neben manchem anderen, was durchaus auch erwähnenswert wäre, was aber auch nicht nach außen dringen muss, weil sich sonst schon wieder Leute fragen, um „wen es denn da gehen“ könnte, ist für mich die Feier der Gottesdienste und das Gebet zentral. Ich lege Wert auf eine stimmige und korrekte (Ja: das Heilige ist kein Spielfeld der Selbstverwirklichung!) Liturgie.

Gerade als Regionaldekan gewinne ich Einsicht, Bestätigung für das, was auch ich (schon) „gut“ mache und das, was ich noch sorgfältiger machen könnte. Auch die verschiedenen Mitbrüder, die ich hier schon erleben durfte, machen immer wieder neu sensibel für die Liturgie und die eigene Feierpraxis.

Gleichzeitig schätze ich mit den Jahren immer mehr das Gebet der Kirche weltweit, lege Wert auf einen vollständigen Wortgottesdienst, auf die Predigt, die sinnen-volle Feier des Brotbrechens – wie die Feier der Eucharistie schon in der Apostelgeschichte genannt wurde. Beten mit der Kirche heißt zudem, der Gemeinde zuzutrauen, dass sie sich auf Feierformen wie Christvesper, Trauermette oder Pfingstvigil einlässt.

Beten mit der Kirche heißt aber auch, die Gestaltungsmöglichkeiten auszunutzen und dadurch „nicht immer das Gleiche“ zu feiern. Und es heißt zuletzt auch sorgsam damit umzugehen, wo man als Theologe und Liturge dem Geist Raum gibt und in freier Entscheidung einen eigenen Akzent setzt.

Darüber möchte ich in loser Folge in den nächsten Pfarrbriefen schreiben. Mir ist das wichtig.

Ihr Pfarrer

Holger Kruschina

Unser Gottesdienst - Teil 1

Wo begegnen wir uns als Gemeinde? Ganz klar: im Gottesdienst. Es gibt auch nach über sieben Jahren Menschen, denen ich regelmäßig begegne, mit denen ich aber noch nie ein Wort gewechselt habe. Wenn es in dieser Zeit nicht zu einer Begegnung bei Gelegenheit, etwa bei einer Taufe oder einem Trauerfall gekommen ist, weiß ich nichts von ihnen. Vielleicht kenne ich sie dem Gesicht nach, vielleicht nicht einmal das. Aber sie kennen mich, feiern mit mir als Vorsteher Gottesdienst, lassen sich von mir ansprechen.

Bei dieser Feier wird deutlich: ich bin nicht bloß ein Live-Moderator, liefere nicht nur eine Bühnenvorstellung. Nein: ich bringe zur Sprache, was uns zur Feiergemeinschaft macht. Ein Gebet von mir ohne das Amen der Mitfeiernden ist schlichtweg nicht vorstellbar.

In unserer Feier spiegeln sich 2000 Jahre Kirchengeschichte und Traditionen, die noch weiter zurückreichen, z.B. ins Judentum. Wie wir feiern und was wir feiern geht nicht ohne den Anfang, den Jesus selbst gesetzt hat. Natürlich haben Glaubensformeln und -formen, Veränderungen und Rückbesinnungen diesen Anfang überformt – aber er ist immer noch da. Eigentlich ist das der stärkste Gottesbeweis: Wenn unsere Kirche – Gemeinschaft, Institution, Feiergestalt, Glaube – reines Menschenwerk wäre, hätten wir sie in 2000 Jahren schon mehrfach an die Wand gefahren. Es ist wohl so: der Geist Gottes in ihr ist stark genug, das Menschenmögliche zu hegen und zu fördern und dem Menschenunmöglichen zu widerstehen.

Kristallisationspunkt dieser geistgewirkten Gegenwart Gottes unter uns Menschen in der Kirche ist der Gottesdienst und hier noch einmal in einmaliger Weise die Feier der Eucharistie: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Wenn wir die Quelle des Heiles wieder lebensspendend machen wollen, auch und gerade in einer Zeit, in der die Kirche vermeintlich einen Abbruch erleidet, dann müssen wir neu begreifen, welch großes Geschenk uns der Herr mit diesem Stiftungsauftrag gemacht hat.

In der (sonntäglichen) Feier pulst das Herz der Kirche, lebt Gemeinde vor Ort, gestaltet sich die Kirche aller Welt und aller Zeit im Jetzt und Hier aus, begegnen wir dem lebendigen Gott gemäß seinem Wort.

Wie hat das begonnen? Wie hat es sich verändert? Wie drückt sich all das heute aus – und warum genau so? Ich hoffe, Sie freuen sich auf das gemeinsame Nachdenken –

und Teil 2:

Das Christentum des anfangs war keine Massenbewegung. Selbst die Zahlen, die die Apostelgeschichte nennt - dass etwa an einem Tag mehrere Tausend auf einmal sich taufen ließen (Apg 2,41) - dürften eher euphorisch zu verstehen sein. Einen guten Eindruck des Alltags liefert die Bibel freilich trotzdem. Die Christen mussten mühsam gegen das religiöse Establishment argumentieren, Auspeitschen, Gefängnis oder gar Tod (Apg 4-7) gehörten dazu. Wenn man nicht viel hat, braucht man nicht viel teilen. Insofern kann der Satz „Sie hatten alles gemeinsam!“ (Apg 2,44) durchaus stimmen. Wichtig war: „Sie brachen in ihren Häusern das Brot.“ (Apg 2,46) In diesem Satz steckt ganz viel drin:

Das „Brotbrechen“ war nichts Neues: Jesus selbst hatte es praktiziert – und zwar als Zeichenhandlung. Wenn er „mit Sündern“ zu Tisch saß, wenn er in Gleichnissen davon sprach, wie eine ständische Tischordnung aufgebrochen wird („erste Plätze“) und dies wohl auch vorgemacht hat, wenn das kommende Reich mit einem solchen Mahl verglichen wurde, dann gehörte dieses Mahl zu unbedingten Identität derer, die sich nach Ostern weiter zu Jesus bekannten. Auch der nachösterliche Christus offenbarte sich im Mahl: im Jüngerkreis in Jerusalem, beim Abendbrot der Emmaus-Jünger, am See Genezareth. Darum blieb er im Mahl gegenwärtig.

Nach allem, was wir wissen, war das letzte Abendmahl – wie die Mähler davor – ein echtes Sättigungsmahl. Davor, danach oder als Rahmen wurde aber EIN Brot für alle geteilt, EIN Becher gereicht, aus dem dann alle tranken. Diesen Brauch behielten die Christen in Erinnerung an dieses letzte Stiftungsmahl der Gegenwart Christi auch nachösterlich bei. Sie waren noch in keiner Kirche, sie hatten wohl kaum ausgefeilte Gebete, beteten aber natürlich miteinander, sie saßen am Tisch und unterhielten sich. Aber sie verstanden sich als „Ver-sammlung um den gegenwärtigen Herrn“ gemäß seinem Wort: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt bin, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)

So banal das klingt: aber im Wesentlichen machen wir es heute noch genauso. Wir kommen in „unserem Haus“ zusammen, beten und essen von einem Brot. Ohne sakral sein zu müssen, leitet es damals wie heute der Hausvater (das war tatsächlich auch damals eine Aufgabe des Mannes). Dass auch Frauen, wenigstens zu Beginn, eine weitaus gleichberechtigtere Rolle in der Gemeinde gespielt haben, kann man kaum leugnen. Aber die Frage des „sakramentalen Amtes“ muss auf einem anderen Feld diskutiert werden.

Das jedenfalls, was in 2000 Jahren vom Anfang geblieben ist, ist wesentlich! Was und warum sich so vieles auch (immer wieder) verändert hat, möchte in den nächsten Teilen bedenken.

Die Geschichte der Gestalt der Eucharistiefeier ist in 2000 Jahren eine Geschichte von Auf- und Umbrüchen, von Impulsen und Anpassungen, von Vereinheitlichung und Vielfalt. Bis heute kennt die Römisch-Katholische Kirche zig verschiedene Riten. Das hat historisch damit zu tun, dass es in Fragen der Einheit wesentlich um Einheit im Glauben, nicht um Einheit im Ritus ging. Das was wir heute als den mehrheitlichen, sogenannten „lateinischen“ Ritus kennen, hat etwas mit der Dominanz der westlichen/europäischen Welt vor allem im Zeitalter der Entdeckungen und Kolonisierung zu tun – und mit den Hausaufgaben der Reformation. Aber der Reihe nach:

Wir wissen aus den ersten rund 100 Jahren nicht viel von der Feier der Eucharistie. Vor allem die jüdische Wurzel unseres Glaubens dürfte wesentlich gewesen sein: Danksagung an Gott, Gebet über Brot und Wein, erinnerndes Gedenken an den Herrn, heiliges, zeichenhaftes Mahl. Eingebettet war das meist in eine Versammlung der ganzen Gemeinde. Auch Lesen aus der Schrift und Auslegung oder (Für-)Bitte dürften früh elementar geworden sein. Wenn der Verfasser des Kolosserbriefes sagt: „Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder!“ (Kol 3,16), dann wird man vor allem Letzteres auch gemeinsam getan haben.

Allerdings gab es in diesen frühen Jahrzehnten keinen „Katechismus“, keinen ausgefeilten, einheitlichen Glauben, kein großes gemeinsames Bekenntnis. Schon Paulus muss sich von „falscher Verkündigung“ abgrenzen und warnt vor ihr: Röm 16,17; Gal 1,8f oder auch 2 Kor 11. Spätestens in der dritten Generation von Christen kristallisierten sich daher feste Kirchen- und Gemeindestrukturen heraus, um die Botschaft des Christentums in eindeutiger Weise zu formen und sich von Auswüchsen abzugrenzen. Zwei wesentliche Kirchen-Formen, die damals entstanden, gibt es bis heute in den verschiedenen Konfessionen:

1. Das apostolische oder Missionsmodell, vor allem (aber nicht nur) vom Völkerapostel Paulus favorisiert und angelehnt an die „Hauskirche“, der der Hausvater vorstand (was sehr kompatibel mit der Gesellschaftsordnung der griechisch-römischen Umwelt war!). Vorsteher heißt auf Griechisch Episkopos, daraus wurde unser „Bischof“. Und

2. Das aus dem Diaspora-Judentum übernommene Modell eines „Ältesten-Rates“, eines Gremiums, griechisch „Presbyter“, wovon sich unser deutsches Wort „Priester“ ableitet.

Beide Formen hoben sich dabei bewusst vom Priester/Opfer-Denken der heidnischen Umwelt ab. Dennoch kam es in der Folge zu einer starken Beeinflussung in diese Richtung. Sie wirkte sich spätestens ab dem „Reichskirchenmodell“ des 4. Jahrhunderts auch auf die Form der Eucharistiefeier aus und wurde im Grunde erst mit dem II. Vatikanischen Konzil vorsichtig aufgebrochen.

Eine Geschichte wird man nie los, sie prägt das Leben bis in die Gegenwart, auch dann, wenn sich immer wieder Veränderungen ergeben. Was für den Menschen zutrifft, dass trifft auch für eine Gruppe und erst recht für die Gemeinschaft der Kirche zu.

Von der apostolischen Zeit bis zur Formulierung unseres Glaubensbekenntnisses auf den Konzilien im 4. und 5. Jahrhundert sprechen wir von der Zeit der „Kirchenväter“. Viele von ihnen begegnen uns noch heute in der Allerheiligen-litanei oder an ihren Gedenktagen. Ihnen ist es zu verdanken, dass unser christlicher Glaube Struktur bekommen hat, so dass er nunmehr seit 2000 Jahren Bestand hat. Wir glauben, dass in solchen Menschen der Heilige Geist selbst seine Kirche leitet und unterweist – bis heute.

An dieser Stelle muss von einem Argumentationsfehler die Rede sein, der immer schon nur gelten ließ, was man selber gelten lassen wollte. Gewisse Kreise von Christen behaupten, dass ab einem bestimmten Punkt die Entwicklung der Kirche quasi abgeschlossen war und jedwede nachfolgende Änderung ein Irrtum sein müsse. Sie widerlegen sich selbst, denn auch bis zu diesem bestimmten Punkt gab es Veränderung. Sie muss also wesentlich dazugehören – sonst müssten wir alle zu einem Urchristentum zurückkehren, das inzwischen keinen Anknüpfungspunkt mehr in unserer Gesellschaft finden würde und im übrigen keinerlei Strukturen kannte, außer dass der christliche Glaube schon immer die Sache einer Gemeinschaft von Menschen und nicht nur persönliche Frömmigkeit war. 2000 Jahre Kirchengeschichte beweisen im Gegenteil, dass es schon immer die Kraft der Veränderung in Treue zum Ursprung war, die den Glauben an kommende Generationen weitertradiert hat.

Wer heute sagt: Glaube ja, Kirche nein, mag noch von dem zehren, was er als junger Mensch einmal mitbekommen hat. Sein persönlicher Glaube wird aber einsilbig und eng, weil ihm der Impuls von außen fehlt. Umgekehrt entzieht er sein Charisma der Gemeinschaft und behält es sich vor. Er mag noch selbst gläubig sein, seinen Kindern aber verwehrt er den Erfahrungshorizont von Glauben im Austausch, sie werden religiös immer mehr verstummen.

Das ist übrigens die eigentliche Krise der Kirche: Dass das Fernbleiben der Vielen eine Verdunstung des Glaubens in den Folgegenerationen nach sich zieht. Auch in unserer Zeit muss sich – selbstverständlich – Kirche ändern, so wie es schon immer war, sonst erstarrt sie. Aber diese Veränderung kann nur im liebenden, wertschätzenden, hörenden Dialog geschehen – und vor allem durch das gemeinsame Gebet auch derer, die unterschiedlicher Auffassung sind.

Deswegen feiern wir am Sonntag Gottesdienst.

Woran erkennt man eine Kirche? Diese Frage mag zunächst simpel klingen – ist sie aber nicht! Was unterschied die ersten Kirchenbauten von den Sakralbauten, den Tempeln der nichtchristlichen Umwelt?

In unserem Wort „Kirche“ steckt das griechische Kyrios, also Herr. Kirche ist, was zum Herrn gehört, egal ob Haus oder Gemeinschaft. Der Begriff Kirche ist aber spätantik. Die eigentliche Selbstbezeichnung der Christen war – und ist es theologisch bis heute – Ecclesia. (Noch heute heißt die Kirche im Französischen z.B. eglise.) Auch dieses Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet Versammlung. Damit kommen wir auch unserem Kirchenbau näher!

Wesentlich für die frühen Christen war das Gefühl von Gemeinschaft. Das hatten sie mit ihrer jüdischen Wurzel gemeinsam. Auch deren Gotteshäuser außerhalb Jerusalems waren keine „Mini-Tempel“ sonder Versammlungs-Häuser zum gemeinsamen Gottesdienst. [Um Ihre Verwirrung noch größer zu machen: im Griechischen gibt es noch ein weiteres Wort für Versammlung, wörtlich: Zusammenkunft, nämlich Synagoge!]

Als die Christen mehr wurden und einfache, große Häuser nicht mehr ausreichten, vor allem, nachdem Kaiser Konstantin 313 begonnen hatte, das Christentum zu fördern, suchte man architektonische Vorbilder für die neuen, größeren Versammlungen. Dabei wollte man sich weiterhin bewusst von der heidnischen Umwelt absetzen, deswegen wählte man aus praktischen und ideologischen Gründen einen „Profan-Bau“, also eine Halle, die ausdrücklich nicht für Gottesdienste, sondern für Versammlungen gedacht war: die Basilika. Basilliken waren Markt- und Gerichtshallen, die die Macht des Herrschers vor Ort verdeutlichten: In der vorderen Apsis – dem halbrunden Abschluss – stand oft eine Statue des Kaisers, darunter der Stuhl, auf dem sein Stellvertreter z.B. Gericht sprach.

Diese Architektur nun griff die Kirche auf. Man ersetzte das Kaiserbild durch ein Mosaik, das Christus zeigte oder durch ein Schmuckkreuz: Christus ist unser Herr und König. Auf dem Stuhl nahm der Vorsteher der Versammlung Platz. Nicht immer feierte die Versammlung Eucharistie, ein Tisch war in der Basilika ohnehin nicht vorgesehen. Doch schon bald wurde er zum festen Ausstattungs-gegenstand. Ähnlich erging es – abgesetzt vom Vorstehersitz – einem Verkündigungsort vor allem für die Lesungen aus der Schrift (die Predigt wurde vom Sitz aus gehalten), der etwas erhöht war, damit alle besser sehen und hören konnten, der Ambo (wörtlich: Erhöhung). Fertig war die Kirche, wie wir sie heute noch kennen – fast. Denn wann kam der Altar und warum? Und der Tabernakel?

Es dauerte nur wenige Jahrzehnte, von Beginn des 4. Jahrhunderts bis zu dessen Ende, da war das Christentum von der erlaubten und geförderten zur bestimmenden Religion im Römischen Reich geworden. Grenzte man sich anfangs von der öffentlichen Praxis der heidnischen Religionen, den „Opfern“, noch deutlich ab, so bediente man sich bald ihrer „Formensprache“, um sie in allen Bereichen zu ersetzen. Ihre Konkurrenz oder Verwechslung musste man nun ja nicht mehr fürchten – und bekehren konnte man leichter, wenn es Anknüpfungspunkte gab. In diese Zeit fällt zum Beispiel die Einführung vieler Feste an bisher heidnisch belegten Gedenktagen, am prominentesten sicher Weihnachten zur Wintersonnenwende.

Von der Basilika, der Halle des Herrschers, als Vorbild für den Kirchenbau war schon die Rede. Aber nicht nur die Architektur, auch das Hofzeremoniell wurde nun übernommen, um dem Gottesdienst ein feierliches Gepräge zu geben und die Herrschaft Gottes in Wort und Ritus auszudrücken.

Beides – Formensprache heidnischer Religionen und Aufgreifen hofzeremonieller Abläufe – führte nun endgültig weg von der ursprünglichen Form des „Brotbrechens“. Zwar verstand die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt noch den Gottesdienst, der zunächst griechisch und dann in der westlichen Kirche lateinisch gefeiert wurde, dennoch wurden die Mitfeiernden zu ehrfürchtig staunenden „Zuschauern“ einer „himmlischen Liturgie“: ein sakraler Raum hob sich von der gewöhnlichen Gemeinde ab, der später sogar optisch so abgetrennt wurde, dass man den Himmel dahinter nur ahnen konnte. Bei uns wurde in der Gotik ein sogenannter „Lettner“, ein oft filigranes „Absperrgitter“ daraus, das im Barock zum „Speisgitter“, der Kommunionbank schrumpfte, in der Ostkirche gibt es bis heute die verhüllende Bilderwand, die „Ikonostase“.

Noch aber sahen sie: Bischof, Priester, Diakone, liturgische Dienste in prächtigen Gewändern, Kerzen, Schmuck, Weihrauch. Die Gesänge wurden so kunstvoll, dass Kantoren und Chöre diesen Part übernahmen. Im Zentrum nun: nicht mehr ein Tisch, sondern ein steinerner Altar. Die „Opfer“ der Vorzeit ersetzt durch das eine, unüberbietbare Opfer Jesu, dessen nun eben an einem Opferaltar gedacht wurde, freilich unblutig und in der überlieferten Form mit Brot und Wein.

Die schlichten Gesten der Darbringung früherer Feiern wurden immer größer und ausladender: Emporheben der Gaben, Verneigung, später Kniebeuge, Kreuze im Segengestus oder in Form der Selbstbekreuzigung. Was einmal eingeführt war, wurde dann nicht mehr weggelassen. Vorbild waren natürlich die großen Kirchen, Bischofssitze, im Westen allen voran Rom. Was hier „hipp“ war, wurde bald überall (nach-)gemacht. Bis zum Tabernakel – wie im letzten Teil angekündigt - dauerte es aber noch ein wenig.

Sprechen Sie Englisch? Und wenn, dann wie gut? Trauen Sie sich zu, einem englischsprachigem Gottesdienst beizuwohnen und alles zu verstehen? Wenn Sie über diese Fragen nachdenken, können Sie sich in unsere christlichen Vorfahren rund um das 6. Jahrhundert hineinversetzen. Zwar wurde der Gottesdienst von Anfang an in vielen Sprachen gefeiert, für die Kirche im westlichen Römischen Reich bediente man sich aber der „Verkehrssprache“ der Menschen, des Lateins. Dies wurde so kennzeichnend, dass wir für viele Jahrhunderte für unsere ost-kirchlichen Schwestern und Brüder schlicht „die Lateiner“ (oder „die Römer“) wurden, denn als „katholisch“ im Sinne des Glaubensbekenntnisses empfanden sie sich ebenso. Bis heute sind wir deswegen römisch-katholisch.

Was zum Ende des Weströmischen Reiches mit seinem Völker- und Sprachengemisch absolut Sinn machte, nämlich den Gottesdienst in der Sprache zu feiern, die die allermeisten verstanden, verkehrte sich nach dem Zusammenbruch und der Völkerwanderung ins Gegenteil. Latein sprachen nur mehr die „Romanen“, also der verbliebene Rest der ansässigen Bevölkerung. Die neuen Völker sprachen gotisch oder eine germanische oder slawische Sprache. Der Reihe nach ließen sich in den folgenden Jahrhunderten Herrscher taufen – und nahmen ihre Untertanen gleich ins Christentum mit. Die Fürsten und Könige übernahmen den Glauben aus taktischen Gründen, sie setzten z. B. auf die Infrastruktur, Kultur, Bildung, Verwaltung. Diese waren mangels Alternative einer römischen Staatsmacht in die Hände der Kirche übergegangen. Von jetzt an wurde zwar das einfache Volk „auf Teufel komm raus“ getauft, vom neuen Glauben hielt und verstand es aber buchstäblich nichts. So blieb es – sehr verkürzt gesagt – knapp 1000 Jahre, bis die Reformatoren genau hier ansetzten, um den Menschen den Glauben (wieder) verständlich zu machen.

Interessant ist, dass sich in der Folge zwar die römisch-katholische Kirche ganz bewusst davon absetzte, indem sie beim Latein als Liturgiesprache verblieb, sehr wohl aber einen volkssprachlichen Kurs fuhr in Form der Lieder, die wir heute noch im Gotteslob finden. So sollten auch Katholiken künftig ihren Glauben besser verstehen und bekennen. Hinzu kam der erste Katechismus – aber das wäre etwas für eine Reihe über Religionspädagogik.

Bei unserer Reise durch die Geschichte unseres Gottesdienstes – und damit hin zum Verstehen unserer heutigen Feierform – ist diese markante Wende in der Spätantike wichtig: die meisten Christen sind nun nicht nur hierarchisch (Kleriker – Laien) und optisch (Eucharistie als Brotbrechen – Messe als Kunstwerk in entsprechender Kirchenarchitektur), sondern auch im Verstehen (sprachlich und intellektuell) dem Gottesdienst entfremdet. Was ich nicht mehr verstehe, muss ich vermuten oder deuten. Mit großem Risiko zum Missverständnissen – von denen es in der Folge zu reden gilt.

Der Mensch ist ein sinnliches Wesen: Berührung, Geschmack, Geruch, Hören und Sehen gehören zu uns. Wo wir zu einem davon nicht fähig sind, sprechen wir gern von einer Behinderung (wobei das nicht stimmt, denn solche Menschen empfinden ihren Zustand in der Regel als für Sie normal). Obwohl alle unsere Sinne für die Entwicklung eines Menschen wichtig sind, so sind es doch die beiden letzten – Sehen und Hören – die uns helfen, die Welt nicht nur zu „erfahren“ sondern sie auch zu „verstehen“. Der Königssinn – der bei einem gehörlosen Menschen natürlich durch Lippenlesen, Lesen oder Gebärde – ersetzt wird, ist das Hören. Die Entwicklung der Sprache hat uns geholfen, Abstraktes auszudrücken: wir können über Dinge reden, die schon oder noch nicht geschehen sind, über Orte, an denen wir uns gerade nicht befinden oder Menschen, die gerade nicht da sind. Und: uns hat sich damit auch die Dimension Gottes erschlossen, wir sind religiös sprechfähig geworden.

Man muss sich das einmal ganz bewusst vor Augen halten, um das Große in dem zu sehen, was inzwischen alltäglich oder Vielen gar egal geworden ist.

Von daher verstehen wir, wie problematisch die sprachliche Entfremdung in der Liturgie, von der das letzte mal die Rede war, auch für den Glauben der gewöhnlichen Menschen wurde. Bildprogramme in den Kirchen – wir sehen sie z.B. in unserer Josefi-Kapelle! – ersetzten das erklärende Wort, man ging über zu einer „Schau-Frömmigkeit“. Alles, was besonders aussah, musste etwas Besonderes sein: die Priester, der Altarraum, die hochgehobene Hostie. Um diese „Schau“ in der Liturgie nicht zu verpassen, wurde ein akustisches Signal eingeführt: das Schellen der Altarglocken. Die Erwartung der Gemeinde und die Feierform bedingten sich gegenseitig: Weil nun „geschaut“ werden sollte, wurde die Hostie auch entsprechend „präsentiert“, bald nicht nur bei der Wandlung, sondern auch bei der Gabenbereitung („Opferung“) und vor der Kommunion – des Priesters! Denn auch das hatte sich inzwischen geändert. Die gewöhnlichen Menschen konnten sich quasi überhaupt nicht vorstellen, würdig genug zu sein, um nach so einer „himmlischen Schau“ dieses wundersame Brot auch noch zu essen! Das führte dazu, dass das Laterankonzil 1215 alle Katholiken verpflichtete, einmal im Jahr zur Kommunion zu gehen. Vorzugsweise an Ostern und dann selbstverständlich nur nach vorheriger Beichte – eine Verbindung, die im 20. Jahrhundert schließlich dazu führte, dass man meinte, man könne überhaupt nur zur Kommunion gehen, wenn man vorher gebeichtet hat. Die Förderung des häufigen Kommunionempfangs seit rund 100 Jahren hatte so zur Folge, dass das Sakrament der Versöhnung von vielen als „Zwangsbeichte“ erfahren wurde, von der man sich schließlich „emanzipierte“. Schade um dieses Missverständnis, das heute die Beichtstühle leer und die Wartezimmer der Psychiater voll macht.

„Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ So hören wir es heute, am Weißen Sonntag, im Evangelium. Es war eine Gnade der ersten Jünger, den Auferstandenen sehen zu dürfen, aber schon zu Zeiten der Abfassung des Johannesevangeliums musste vor einer Reduktion des Wahren auf das sinnlich Erfahrbare gewarnt werden.

Freilich sehnen sich die Menschen danach und so sind unsere Kirchen, ist unsere katholische Messe auch ein Fest für die Sinne. Die Warnung allerdings bleibt: man soll das Äußere nicht mit dem Eigentlichen verwechseln. Im Mittelalter wurde daher die Lehre von der Transsubstantiation formuliert, um das Geheimnis der Eucharistie auszudrücken. Vereinfacht gesagt: die Gestalt des Brotes (und des Weines) bleibt, das Wesen aber, die „Substanz“ wandelt sich. Sie wird Leib und Blut Christi. Dieser Lehrsatz wollte einem bloß symbolischen Verständnis eindeutig widersprechen. Wir spielen nicht das Abendmahl nach, sondern Jesu Wort „das ist mein Leib“ wird wahr. Allerdings gilt dieser Satz nicht nur für Brot und Wein für sich – und jetzt wird es kompliziert.

Ein ganz wichtiger Grundsatz unseres Glaubens ist „sowohl als auch“. Das ist leider anstrengend und für Viele unbefriedigend, die am liebsten „entweder oder“ hören möchten. Aber nur so können wir angemessen von Gott reden, denn alles, was wir von ihm sagen, muss sich davor hüten, ihn „fassen“ zu wollen. Natürlich ist Gott „gut“. Aber unter gut verstehen wir so vieles, unterschiedliches, allzu menschliches, dass wir gleichzeitig sagen müssen: Gott ist mehr als gut, ja er ist „nicht gut“, wo wir ihn auf etwas festlegen wollen.

Ich persönlich finde den Zugang dazu auch über die Naturwissenschaft, die Physik. Manche meinen, weil sie Gott für eine Formel nicht brauchen, gibt es ihn nicht. Aber Gott zu einem Faktor einer physikalischen Formel zu reduzieren, macht ihn klein und spricht eher für ein verengtes Gottesbild als gegen die Existenz Gottes! Fragen Sie einen Physiker, was Licht ist und er wird Ihnen sagen: Licht ist eine Welle und gleichzeitig ein Teilchen. Immer wenn wir das Teilchen messen wollen, entzieht es sich, immer wenn wir von der Welle sprechen, entdecken wir das Teilchen.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen.“ ER ist da – und gleichzeitig nicht messbar, fassbar. Die Eucharistie ist nicht für sich selbst da. Die Hochgebete sprechen davon, was die lebendige Gabe ist, was da gewandelt werden soll, was zum Leib Christi werden soll: nämlich wir, die Menschen, die sich im Namen des Herrn versammeln und Communio, Gemeinschaft mit IHM und untereinander werden. Und natürlich werden auch das Eucharistische Brot und der Wein gewandelt, darum können wir in Ihnen auch den Herrn verehren und ihn anbeten, ja: ihn sehen. Aber nicht „für sich“ sondern für uns. Das ist das größte aller Wunder, vor dem wir nur dankbar auf die Knie gehen können: Mein Herr und mein Gott!

Wenn heute im öffentlichen Raum von „Opfer“ die Rede ist, dann in mehreren Bedeutungen. Bei Attentaten und Unglücken sind „Opfer“ zu beklagen. Sie sind unverschuldet ums Leben gekommen, das macht sie zum Opfer. Ähnliches gilt von Menschen, die von anderen verbal oder handgreiflich verfolgt, z.B. gemobbt werden. Wer seine Bedürfnisse zugunsten eines anderen hintanstellt, z.B. für die Pflege eines kranken Menschen, der bringt damit ebenfalls ein Opfer. Allerdings brauchen alle diese modernen Bedeutungen keine religiöse Dimension mehr.

Der Begriff freilich stammt genau von da her: Menschen gaben etwas spürbar Wertvolles, um etwas anderes Wertvolles, was sie nicht in der Hand hatten, zu bekommen, nämlich die Gunst der Götter, bzw. Gottes: Vergebung, Schutz, Regen, Nahrung, Gesundheit...: Um etwas zu bekommen, muss man etwas anderes hergeben.

Dieser Opferbegriff steckte tief in den Knochen der Gläubigen, auch in Generationen von Christen. Im Grunde können wir es bis heute nicht glauben, dass unser Tun und Handeln „nur“ Antwort auf die bedingungslose Liebeszusage Gottes ist, wie sie uns Jesus von Nazareth vorgelebt und gepredigt hat. Ja: Gott hat uns zuerst geliebt.

Diese Überzeugung sägt an den Stühlen der bloß irdisch Mächtigen, denn sie können uns – selbst wenn sie uns quälen oder gar töten – eigentlich nichts mehr anhaben. „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ fragt daher Paulus (Röm 8,35). Zu dieser Botschaft stand Jesus und wurde dafür (mund-)tot gemacht. Im Tod hat er sich schließlich als der Christus erwiesen, als der „Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15,18), der durch seine Auferstehung ein für alle mal klar gemacht hat, dass seine Botschaft wahr ist und was sie für den Menschen bedeutet. Jesus war ein Opfer derer, die die Botschaft von der Liebe Gottes zum Schweigen bringen wollten. Wenn wir seinen Tod und seine Auferstehung im Brechen des Brotes feiern, bekennen wir nicht nur, dass er der Ewige ist, der die Macht des Todes gebrochen hat, wir lassen ihn auch sicht- und erfahrbar werden, indem wir „ein Leib und ein Geist werden in Christus.“ (Zweites Hochgebet, nach Eph 4,4)

Dieses „Opfer“ des bedingungslosen Vertrauens in den Vater lassen wir lebendig werden, wenn wir uns zum Brechen des Brotes gemäß der Weisung Christi versammeln. Christus will durch uns leibhaftig erfahrbar für diese Welt und Zeit werden. Deswegen hat das Zweite Vatikanische Konzil wieder Wert auf eine deutliche Mahlgestalt des „Messopfers“ gelegt und darauf, dass die gesamte Versammlung Träger des Vollzugs ist, nicht nur der Priester – auch wenn diesem innerhalb der Versammlung eine einmalige Funktion zukommt.

Ich hoffe, Sie bleiben mit dabei. Bald wird es – nach diesen Grundlagen – wieder etwas „handfester“.

Ich erinnere mich, vor einigen Jahren einmal in einem Hirtenwort von Bischof Rudolf Graber, kurz nach dem Konzil, über die erneuerte Form der Messfeier sinngemäß gelesen zu haben: nicht Opfer ODER Mahl, sondern Opfer UND Mahl – im Zeichen des Kreuzes. Wie das Kreuz verbindet die Feier der Eucharistie Himmel und Erde: in der Gestalt des Mahles wird das Opfer der liebenden Selbsthingabe Christi gegenwärtig.

Nun dürfen wir also noch einmal an den Anfang gehen: wie feierten die Christen zunächst Eucharistie? Beim Abendmahlssaal dürfte es sich um eine Art Triclinium gehandelt haben. Dabei lag man hufeisenförmig um eine offene Mitte. (Leonardo da Vincis „Abendmahl“ dürfte also historisch nicht korrekt sein.) Auf die Linke gestützt und die Beine nach hinten ausgestreckt aß man mit der rechten Hand. Das Gespräch führte man zur Mitte oder man dreht sich zum Nachbarn hin. So wird verständlich, warum der Lieblingsjünger bei Johannes an seiner Seite lag und sich an seiner Brust zurücklehnte (Joh 13,23-25) Bei Lukas und Markus lesen wir daher, dass der Raum mit Polstern ausgestattet war (Lk 22,12 par.) Der Vorsteher nahm den Mittelplatz ein. Von daher verstehen wir die „Richtung“ des Mahls. Man saß (oder stand) nicht rund um einen Tisch, sondern – wenn auch „gebogen“ – neben dem Vorsteher. man kann sich gut vorstellen, dass bei einer größeren Versammlung die weiteren Mitfeiernden „dahinter“ ihren Platz hatten und so eine einheitliche Blick- und schließlich Gebetsrichtung entstand. Als dann in den Basiliken die großen Versammlungen waren, blieb es vermutlich am Altar-Tisch bei dieser Gebetsrichtung und der Vorsteher wandte der Gemeinde hierbei den Rücken zu, bzw. betete mit ihr in dieselbe Richtung (z.B. zum Kreuz im Altarraum oder bei entsprechender Ausrichtung nach Osten hin). In der bereits in früheren Folgen beschrieben Dynamik der Trennung zwischen Altar- und Gemeinderaum bzw. Klerus und Laien schob sich der Altar immer mehr Richtung Wand.

Unsere Mahlgewohnheiten sind kulturell und historisch bedingt inzwischen andere. Selbst bei einer Feier mit einem „Ehrentisch“ quer zur Front sitzen nun die vorderen Leute der Versammlung zugewandt. Auch deswegen zelebriert der Priester nun mit Blickrichtung zur Gemeinde, versammelt um SEINEN Tisch.

Aber auch die Verschiebung von einer doch recht einseitigen Fixierung auf den Opferbegriff hin zu einer Feier im zweifachen Sinn (s.o.) spricht für diese Änderung. Schließlich kommen wir auch wieder darauf zurück, dass alle in den Blick nehmen können und sollen, was am Altar geschieht – und zwar ebenfalls ohne zeit- und gestaltbedingt „ausladende“ (Opfer-)Gesten. Dazu beim nächsten mal mehr.