Gottesdienste aktuell

Gottesdienste in Roding, Trasching (T), Obertrübenbach (O), Wetterfeld (W), Heilbrünnl (HB), Caritas-Altenheim (CA) und Krankenhaus (KH)   

 

 

Mo. 25.03.            Verkündigung des Herrn
18.20 Uhr            Rosenkranz

19.00 Uhr             Hl. Messe

19.00 Uhr            T   Eucharistische Stunde zum Tag der Ewigen Anbetung

 

Di. 26.03.            Gedenktag Hl. Liudger

10.00 Uhr            CA   Hl. Messe

18.30 Uhr            T   Kreuzweg

19.00 Uhr            O   Hl. Messe

 

Mi. 27.03.            der 3. Fastenwoche
18.30 Uhr            KH   Hl. Messe

 

Do. 28.03.            der 3. Fastenwoche

17.30 Uhr            CA   Hl. Messe

19.00 Uhr            W   Hl. Messe

19.00 Uhr            Bußgottesdienst, anschl. Beichtgelegenheit

 

Fr. 29.03. der 3. Fastenwoche
8.00 Uhr            Hl. Messe

16.30 Uhr            T   Rosenkranz

17.00 Uhr            T   Hl. Messe

17.00 Uhr            O   Kreuzwegandacht

17.00 Uhr             W   Kreuzwegandacht

19.00 Uhr            Aussetzung des Allerheiligsten

                   24 Stunden für den Herrn
Sa. 30.03.            der 3. Fastenwoche
16.00 Uhr            O   Vorabendmesse

16.00 Uhr            Kleinkinderwortgottesdienst ( Anbetungsfeier )

17.00 Uhr             bis 17.30 Uhr Beichtgelegenheit

17.30 Uhr            Wir beten den Rosenkranz

18.00 Uhr             Vorabendmesse

 
So. 31.03.            4. Fastensonntag
8.00 Uhr             Pfarrgottesdienst

9.00 Uhr            T  Hl. Messe

10.00 Uhr             Hl. Messe

anschl.             Fastenessen Missionsausschuss

15.00 Uhr            Kreuzwegandacht

18.00 Uhr             W   Hl. Messe

19.00 Uhr            T   Kreuzwegandacht

In eigener Sache

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Themenreihe "Unser Gottesdienst"

 

Als ich Kaplan in Furth war, hab ich mir irgendwann Gedanken darüber gemacht, wie mein „Stundenplan“ als Pfarrer einmal aussehen soll. Gottesdienste, Sitzungen, Schule, Gespräche, pastorale Besuche, Freizeit und ein Zeitpuffer. Ich müsste diesen Zettel wieder einmal suchen, aber ich hab schon vor meinem Amtsantritt in Roding gemerkt, dass diese Aufstellung illusorisch ist. Allenfalls interessant, wie man die unterschiedlichen Aufgaben gewichtet und verteilt hätte oder welche „Dienstbereiche“ in der Praxis oft hintan stehen.

Viele Menschen fragen sich ja, was ein Pfarrer denn außer Messen, Predigt-vorbereitung, Schule und – ab und zu – einer Beerdigung so tut. Ich kann sa-gen, dass meine Tage voll und abwechslungsreich sind. Vieles an meinem Dienst und vor allem Privatleben gibt ja schon immer Anlass zu großartigen Spekulationen. Meist erheitern sie mich, manchmal ärgern sie mich. Vor allem, wenn andere Menschen in diesen Tratsch einbezogen werden und darunter sogar leiden müssen, oder wenn sie meinen Dienst erschweren, weil man mir die Worte im Mund umdreht oder sie mir nicht abnimmt.

Ich kann Ihnen sagen: was viele am Pfarrer „spannend“ finden, ist reichlich banal – was dagegen für die meisten „gewöhnlich“ und langweilig scheint, ist für mich ungemein wichtig, ja spannend.

Neben manchem anderen, was durchaus auch erwähnenswert wäre, was aber auch nicht nach außen dringen muss, weil sich sonst schon wieder Leute fragen, um „wen es denn da gehen“ könnte, ist für mich die Feier der Gottesdienste und das Gebet zentral. Ich lege Wert auf eine stimmige und korrekte (Ja: das Heilige ist kein Spielfeld der Selbstverwirklichung!) Liturgie.

Gerade als Regionaldekan gewinne ich Einsicht, Bestätigung für das, was auch ich (schon) „gut“ mache und das, was ich noch sorgfältiger machen könnte. Auch die verschiedenen Mitbrüder, die ich hier schon erleben durfte, machen immer wieder neu sensibel für die Liturgie und die eigene Feierpraxis.

Gleichzeitig schätze ich mit den Jahren immer mehr das Gebet der Kirche weltweit, lege Wert auf einen vollständigen Wortgottesdienst, auf die Predigt, die sinnen-volle Feier des Brotbrechens – wie die Feier der Eucharistie schon in der Apostelgeschichte genannt wurde. Beten mit der Kirche heißt zudem, der Gemeinde zuzutrauen, dass sie sich auf Feierformen wie Christvesper, Trauermette oder Pfingstvigil einlässt.

Beten mit der Kirche heißt aber auch, die Gestaltungsmöglichkeiten auszunutzen und dadurch „nicht immer das Gleiche“ zu feiern. Und es heißt zuletzt auch sorgsam damit umzugehen, wo man als Theologe und Liturge dem Geist Raum gibt und in freier Entscheidung einen eigenen Akzent setzt.

Darüber möchte ich in loser Folge in den nächsten Pfarrbriefen schreiben. Mir ist das wichtig.

Ihr Pfarrer

Holger Kruschina

Unser Gottesdienst - Teil 1

Wo begegnen wir uns als Gemeinde? Ganz klar: im Gottesdienst. Es gibt auch nach über sieben Jahren Menschen, denen ich regelmäßig begegne, mit denen ich aber noch nie ein Wort gewechselt habe. Wenn es in dieser Zeit nicht zu einer Begegnung bei Gelegenheit, etwa bei einer Taufe oder einem Trauerfall gekommen ist, weiß ich nichts von ihnen. Vielleicht kenne ich sie dem Gesicht nach, vielleicht nicht einmal das. Aber sie kennen mich, feiern mit mir als Vorsteher Gottesdienst, lassen sich von mir ansprechen.

Bei dieser Feier wird deutlich: ich bin nicht bloß ein Live-Moderator, liefere nicht nur eine Bühnenvorstellung. Nein: ich bringe zur Sprache, was uns zur Feiergemeinschaft macht. Ein Gebet von mir ohne das Amen der Mitfeiernden ist schlichtweg nicht vorstellbar.

In unserer Feier spiegeln sich 2000 Jahre Kirchengeschichte und Traditionen, die noch weiter zurückreichen, z.B. ins Judentum. Wie wir feiern und was wir feiern geht nicht ohne den Anfang, den Jesus selbst gesetzt hat. Natürlich haben Glaubensformeln und -formen, Veränderungen und Rückbesinnungen diesen Anfang überformt – aber er ist immer noch da. Eigentlich ist das der stärkste Gottesbeweis: Wenn unsere Kirche – Gemeinschaft, Institution, Feiergestalt, Glaube – reines Menschenwerk wäre, hätten wir sie in 2000 Jahren schon mehrfach an die Wand gefahren. Es ist wohl so: der Geist Gottes in ihr ist stark genug, das Menschenmögliche zu hegen und zu fördern und dem Menschenunmöglichen zu widerstehen.

Kristallisationspunkt dieser geistgewirkten Gegenwart Gottes unter uns Menschen in der Kirche ist der Gottesdienst und hier noch einmal in einmaliger Weise die Feier der Eucharistie: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Wenn wir die Quelle des Heiles wieder lebensspendend machen wollen, auch und gerade in einer Zeit, in der die Kirche vermeintlich einen Abbruch erleidet, dann müssen wir neu begreifen, welch großes Geschenk uns der Herr mit diesem Stiftungsauftrag gemacht hat.

In der (sonntäglichen) Feier pulst das Herz der Kirche, lebt Gemeinde vor Ort, gestaltet sich die Kirche aller Welt und aller Zeit im Jetzt und Hier aus, begegnen wir dem lebendigen Gott gemäß seinem Wort.

Wie hat das begonnen? Wie hat es sich verändert? Wie drückt sich all das heute aus – und warum genau so? Ich hoffe, Sie freuen sich auf das gemeinsame Nachdenken –

und Teil 2:

Das Christentum des anfangs war keine Massenbewegung. Selbst die Zahlen, die die Apostelgeschichte nennt - dass etwa an einem Tag mehrere Tausend auf einmal sich taufen ließen (Apg 2,41) - dürften eher euphorisch zu verstehen sein. Einen guten Eindruck des Alltags liefert die Bibel freilich trotzdem. Die Christen mussten mühsam gegen das religiöse Establishment argumentieren, Auspeitschen, Gefängnis oder gar Tod (Apg 4-7) gehörten dazu. Wenn man nicht viel hat, braucht man nicht viel teilen. Insofern kann der Satz „Sie hatten alles gemeinsam!“ (Apg 2,44) durchaus stimmen. Wichtig war: „Sie brachen in ihren Häusern das Brot.“ (Apg 2,46) In diesem Satz steckt ganz viel drin:

Das „Brotbrechen“ war nichts Neues: Jesus selbst hatte es praktiziert – und zwar als Zeichenhandlung. Wenn er „mit Sündern“ zu Tisch saß, wenn er in Gleichnissen davon sprach, wie eine ständische Tischordnung aufgebrochen wird („erste Plätze“) und dies wohl auch vorgemacht hat, wenn das kommende Reich mit einem solchen Mahl verglichen wurde, dann gehörte dieses Mahl zu unbedingten Identität derer, die sich nach Ostern weiter zu Jesus bekannten. Auch der nachösterliche Christus offenbarte sich im Mahl: im Jüngerkreis in Jerusalem, beim Abendbrot der Emmaus-Jünger, am See Genezareth. Darum blieb er im Mahl gegenwärtig.

Nach allem, was wir wissen, war das letzte Abendmahl – wie die Mähler davor – ein echtes Sättigungsmahl. Davor, danach oder als Rahmen wurde aber EIN Brot für alle geteilt, EIN Becher gereicht, aus dem dann alle tranken. Diesen Brauch behielten die Christen in Erinnerung an dieses letzte Stiftungsmahl der Gegenwart Christi auch nachösterlich bei. Sie waren noch in keiner Kirche, sie hatten wohl kaum ausgefeilte Gebete, beteten aber natürlich miteinander, sie saßen am Tisch und unterhielten sich. Aber sie verstanden sich als „Ver-sammlung um den gegenwärtigen Herrn“ gemäß seinem Wort: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt bin, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)

So banal das klingt: aber im Wesentlichen machen wir es heute noch genauso. Wir kommen in „unserem Haus“ zusammen, beten und essen von einem Brot. Ohne sakral sein zu müssen, leitet es damals wie heute der Hausvater (das war tatsächlich auch damals eine Aufgabe des Mannes). Dass auch Frauen, wenigstens zu Beginn, eine weitaus gleichberechtigtere Rolle in der Gemeinde gespielt haben, kann man kaum leugnen. Aber die Frage des „sakramentalen Amtes“ muss auf einem anderen Feld diskutiert werden.

Das jedenfalls, was in 2000 Jahren vom Anfang geblieben ist, ist wesentlich! Was und warum sich so vieles auch (immer wieder) verändert hat, möchte in den nächsten Teilen bedenken.

Die Geschichte der Gestalt der Eucharistiefeier ist in 2000 Jahren eine Geschichte von Auf- und Umbrüchen, von Impulsen und Anpassungen, von Vereinheitlichung und Vielfalt. Bis heute kennt die Römisch-Katholische Kirche zig verschiedene Riten. Das hat historisch damit zu tun, dass es in Fragen der Einheit wesentlich um Einheit im Glauben, nicht um Einheit im Ritus ging. Das was wir heute als den mehrheitlichen, sogenannten „lateinischen“ Ritus kennen, hat etwas mit der Dominanz der westlichen/europäischen Welt vor allem im Zeitalter der Entdeckungen und Kolonisierung zu tun – und mit den Hausaufgaben der Reformation. Aber der Reihe nach:

Wir wissen aus den ersten rund 100 Jahren nicht viel von der Feier der Eucharistie. Vor allem die jüdische Wurzel unseres Glaubens dürfte wesentlich gewesen sein: Danksagung an Gott, Gebet über Brot und Wein, erinnerndes Gedenken an den Herrn, heiliges, zeichenhaftes Mahl. Eingebettet war das meist in eine Versammlung der ganzen Gemeinde. Auch Lesen aus der Schrift und Auslegung oder (Für-)Bitte dürften früh elementar geworden sein. Wenn der Verfasser des Kolosserbriefes sagt: „Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder!“ (Kol 3,16), dann wird man vor allem Letzteres auch gemeinsam getan haben.

Allerdings gab es in diesen frühen Jahrzehnten keinen „Katechismus“, keinen ausgefeilten, einheitlichen Glauben, kein großes gemeinsames Bekenntnis. Schon Paulus muss sich von „falscher Verkündigung“ abgrenzen und warnt vor ihr: Röm 16,17; Gal 1,8f oder auch 2 Kor 11. Spätestens in der dritten Generation von Christen kristallisierten sich daher feste Kirchen- und Gemeindestrukturen heraus, um die Botschaft des Christentums in eindeutiger Weise zu formen und sich von Auswüchsen abzugrenzen. Zwei wesentliche Kirchen-Formen, die damals entstanden, gibt es bis heute in den verschiedenen Konfessionen:

1. Das apostolische oder Missionsmodell, vor allem (aber nicht nur) vom Völkerapostel Paulus favorisiert und angelehnt an die „Hauskirche“, der der Hausvater vorstand (was sehr kompatibel mit der Gesellschaftsordnung der griechisch-römischen Umwelt war!). Vorsteher heißt auf Griechisch Episkopos, daraus wurde unser „Bischof“. Und

2. Das aus dem Diaspora-Judentum übernommene Modell eines „Ältesten-Rates“, eines Gremiums, griechisch „Presbyter“, wovon sich unser deutsches Wort „Priester“ ableitet.

Beide Formen hoben sich dabei bewusst vom Priester/Opfer-Denken der heidnischen Umwelt ab. Dennoch kam es in der Folge zu einer starken Beeinflussung in diese Richtung. Sie wirkte sich spätestens ab dem „Reichskirchenmodell“ des 4. Jahrhunderts auch auf die Form der Eucharistiefeier aus und wurde im Grunde erst mit dem II. Vatikanischen Konzil vorsichtig aufgebrochen.

Eine Geschichte wird man nie los, sie prägt das Leben bis in die Gegenwart, auch dann, wenn sich immer wieder Veränderungen ergeben. Was für den Menschen zutrifft, dass trifft auch für eine Gruppe und erst recht für die Gemeinschaft der Kirche zu.

Von der apostolischen Zeit bis zur Formulierung unseres Glaubensbekenntnisses auf den Konzilien im 4. und 5. Jahrhundert sprechen wir von der Zeit der „Kirchenväter“. Viele von ihnen begegnen uns noch heute in der Allerheiligen-litanei oder an ihren Gedenktagen. Ihnen ist es zu verdanken, dass unser christlicher Glaube Struktur bekommen hat, so dass er nunmehr seit 2000 Jahren Bestand hat. Wir glauben, dass in solchen Menschen der Heilige Geist selbst seine Kirche leitet und unterweist – bis heute.

An dieser Stelle muss von einem Argumentationsfehler die Rede sein, der immer schon nur gelten ließ, was man selber gelten lassen wollte. Gewisse Kreise von Christen behaupten, dass ab einem bestimmten Punkt die Entwicklung der Kirche quasi abgeschlossen war und jedwede nachfolgende Änderung ein Irrtum sein müsse. Sie widerlegen sich selbst, denn auch bis zu diesem bestimmten Punkt gab es Veränderung. Sie muss also wesentlich dazugehören – sonst müssten wir alle zu einem Urchristentum zurückkehren, das inzwischen keinen Anknüpfungspunkt mehr in unserer Gesellschaft finden würde und im übrigen keinerlei Strukturen kannte, außer dass der christliche Glaube schon immer die Sache einer Gemeinschaft von Menschen und nicht nur persönliche Frömmigkeit war. 2000 Jahre Kirchengeschichte beweisen im Gegenteil, dass es schon immer die Kraft der Veränderung in Treue zum Ursprung war, die den Glauben an kommende Generationen weitertradiert hat.

Wer heute sagt: Glaube ja, Kirche nein, mag noch von dem zehren, was er als junger Mensch einmal mitbekommen hat. Sein persönlicher Glaube wird aber einsilbig und eng, weil ihm der Impuls von außen fehlt. Umgekehrt entzieht er sein Charisma der Gemeinschaft und behält es sich vor. Er mag noch selbst gläubig sein, seinen Kindern aber verwehrt er den Erfahrungshorizont von Glauben im Austausch, sie werden religiös immer mehr verstummen.

Das ist übrigens die eigentliche Krise der Kirche: Dass das Fernbleiben der Vielen eine Verdunstung des Glaubens in den Folgegenerationen nach sich zieht. Auch in unserer Zeit muss sich – selbstverständlich – Kirche ändern, so wie es schon immer war, sonst erstarrt sie. Aber diese Veränderung kann nur im liebenden, wertschätzenden, hörenden Dialog geschehen – und vor allem durch das gemeinsame Gebet auch derer, die unterschiedlicher Auffassung sind.

Deswegen feiern wir am Sonntag Gottesdienst.

Woran erkennt man eine Kirche? Diese Frage mag zunächst simpel klingen – ist sie aber nicht! Was unterschied die ersten Kirchenbauten von den Sakralbauten, den Tempeln der nichtchristlichen Umwelt?

In unserem Wort „Kirche“ steckt das griechische Kyrios, also Herr. Kirche ist, was zum Herrn gehört, egal ob Haus oder Gemeinschaft. Der Begriff Kirche ist aber spätantik. Die eigentliche Selbstbezeichnung der Christen war – und ist es theologisch bis heute – Ecclesia. (Noch heute heißt die Kirche im Französischen z.B. eglise.) Auch dieses Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet Versammlung. Damit kommen wir auch unserem Kirchenbau näher!

Wesentlich für die frühen Christen war das Gefühl von Gemeinschaft. Das hatten sie mit ihrer jüdischen Wurzel gemeinsam. Auch deren Gotteshäuser außerhalb Jerusalems waren keine „Mini-Tempel“ sonder Versammlungs-Häuser zum gemeinsamen Gottesdienst. [Um Ihre Verwirrung noch größer zu machen: im Griechischen gibt es noch ein weiteres Wort für Versammlung, wörtlich: Zusammenkunft, nämlich Synagoge!]

Als die Christen mehr wurden und einfache, große Häuser nicht mehr ausreichten, vor allem, nachdem Kaiser Konstantin 313 begonnen hatte, das Christentum zu fördern, suchte man architektonische Vorbilder für die neuen, größeren Versammlungen. Dabei wollte man sich weiterhin bewusst von der heidnischen Umwelt absetzen, deswegen wählte man aus praktischen und ideologischen Gründen einen „Profan-Bau“, also eine Halle, die ausdrücklich nicht für Gottesdienste, sondern für Versammlungen gedacht war: die Basilika. Basilliken waren Markt- und Gerichtshallen, die die Macht des Herrschers vor Ort verdeutlichten: In der vorderen Apsis – dem halbrunden Abschluss – stand oft eine Statue des Kaisers, darunter der Stuhl, auf dem sein Stellvertreter z.B. Gericht sprach.

Diese Architektur nun griff die Kirche auf. Man ersetzte das Kaiserbild durch ein Mosaik, das Christus zeigte oder durch ein Schmuckkreuz: Christus ist unser Herr und König. Auf dem Stuhl nahm der Vorsteher der Versammlung Platz. Nicht immer feierte die Versammlung Eucharistie, ein Tisch war in der Basilika ohnehin nicht vorgesehen. Doch schon bald wurde er zum festen Ausstattungs-gegenstand. Ähnlich erging es – abgesetzt vom Vorstehersitz – einem Verkündigungsort vor allem für die Lesungen aus der Schrift (die Predigt wurde vom Sitz aus gehalten), der etwas erhöht war, damit alle besser sehen und hören konnten, der Ambo (wörtlich: Erhöhung). Fertig war die Kirche, wie wir sie heute noch kennen – fast. Denn wann kam der Altar und warum? Und der Tabernakel?

Es dauerte nur wenige Jahrzehnte, von Beginn des 4. Jahrhunderts bis zu dessen Ende, da war das Christentum von der erlaubten und geförderten zur bestimmenden Religion im Römischen Reich geworden. Grenzte man sich anfangs von der öffentlichen Praxis der heidnischen Religionen, den „Opfern“, noch deutlich ab, so bediente man sich bald ihrer „Formensprache“, um sie in allen Bereichen zu ersetzen. Ihre Konkurrenz oder Verwechslung musste man nun ja nicht mehr fürchten – und bekehren konnte man leichter, wenn es Anknüpfungspunkte gab. In diese Zeit fällt zum Beispiel die Einführung vieler Feste an bisher heidnisch belegten Gedenktagen, am prominentesten sicher Weihnachten zur Wintersonnenwende.

Von der Basilika, der Halle des Herrschers, als Vorbild für den Kirchenbau war schon die Rede. Aber nicht nur die Architektur, auch das Hofzeremoniell wurde nun übernommen, um dem Gottesdienst ein feierliches Gepräge zu geben und die Herrschaft Gottes in Wort und Ritus auszudrücken.

Beides – Formensprache heidnischer Religionen und Aufgreifen hofzeremonieller Abläufe – führte nun endgültig weg von der ursprünglichen Form des „Brotbrechens“. Zwar verstand die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt noch den Gottesdienst, der zunächst griechisch und dann in der westlichen Kirche lateinisch gefeiert wurde, dennoch wurden die Mitfeiernden zu ehrfürchtig staunenden „Zuschauern“ einer „himmlischen Liturgie“: ein sakraler Raum hob sich von der gewöhnlichen Gemeinde ab, der später sogar optisch so abgetrennt wurde, dass man den Himmel dahinter nur ahnen konnte. Bei uns wurde in der Gotik ein sogenannter „Lettner“, ein oft filigranes „Absperrgitter“ daraus, das im Barock zum „Speisgitter“, der Kommunionbank schrumpfte, in der Ostkirche gibt es bis heute die verhüllende Bilderwand, die „Ikonostase“.

Noch aber sahen sie: Bischof, Priester, Diakone, liturgische Dienste in prächtigen Gewändern, Kerzen, Schmuck, Weihrauch. Die Gesänge wurden so kunstvoll, dass Kantoren und Chöre diesen Part übernahmen. Im Zentrum nun: nicht mehr ein Tisch, sondern ein steinerner Altar. Die „Opfer“ der Vorzeit ersetzt durch das eine, unüberbietbare Opfer Jesu, dessen nun eben an einem Opferaltar gedacht wurde, freilich unblutig und in der überlieferten Form mit Brot und Wein.

Die schlichten Gesten der Darbringung früherer Feiern wurden immer größer und ausladender: Emporheben der Gaben, Verneigung, später Kniebeuge, Kreuze im Segengestus oder in Form der Selbstbekreuzigung. Was einmal eingeführt war, wurde dann nicht mehr weggelassen. Vorbild waren natürlich die großen Kirchen, Bischofssitze, im Westen allen voran Rom. Was hier „hipp“ war, wurde bald überall (nach-)gemacht. Bis zum Tabernakel – wie im letzten Teil angekündigt - dauerte es aber noch ein wenig.